Aphrodite von Milos

Die griechische Geschichte ist seit jeher eng verbunden mit unzähligen Göttern, Halbgöttern und illustren Sagengestalten. Götter wurden in der griechischen Antike verehrt und angebetet, Ihnen zu Ehren wurden Tempel erbaut, Opfer gebracht und auch Kriege geführt.

Eines der bekanntesten femininen Götterbilder war und ist die Aphrodite, die griechische Göttin der Liebe und der weiblichen Schönheit.

Von Aphrodite, der Liebesgöttin, gibt es in der bildenden Kunst zahlreiche unterschiedliche Darstellungen. Eines der bekanntesten Gemälde ist zweifelsohne die "Geburt der Venus" von Botticelli. Unter den bildhauerischen Werken hingegen ist das mit Abstand bekannteste Meisterwerk die Statue der "Venus von Milo", der diese Seiten gewidmet sind.

Aphrodite oder Venus

Vermutlich um 100 v.Chr. entstand die inzwischen zu Weltruhm gelangte Aphrodite-Statue von Milos, ausgehend von der römischen Mythologie auch bekannt als Venus von Milos. Die Aphroditestatue wurde auf der kleinen griechischen Insel Milos (früher Melos, französisch Milo) gefunden, die zu den Kykladen in der Ägäis gehört. Milos zählt zu den Westkykladen und liegt etwa auf halbem Weg zwischen Athen und Kreta.

Da die Statue griechischen Ursprungs ist, ist die korrekte Bezeichnung eindeutig "Aphrodite von Milos", obgleich sie unter dem Namen "Venus von Milo" bekannt wurde. Die Statue ist heute im Pariser Louvre zu bewundern, lediglich eine Kopie steht im Archäologischen Museum in Plaka, dem Hauptort der Insel Milos.

Die Statue

Die Aphrodite von Milos symbolisiert das Ideal weiblicher Schönheit. Der Marmor, aus dem sie gefertigt wurde, stammt von der Kykladeninsel Paros, wobei bis heute nicht geklärt ist, welcher Bildhauer sie erschaffen hat. Die kunstvoll und sehr detailliert ausgearbeitete Aphroditestatue ist neben der Laokoon-Gruppe das berühmteste Beispiel späthellenistischer Kunstfertigkeit in der griechischen Antike.

Nach Auffassung der meisten Wissenschaftler stellt die Statue Aphrodite nach dem Bade in Vorbereitung des Parisurteils dar. Eris, die Göttin der Zwietracht hatte einen Streit zwischen Aphrodite, Pallas Athene und Hera provoziert, wer von ihnen die Schönste sei. Zeus bestimmt Paris zum Schiedsrichter und Aphrodite geht als Siegerin hervor. Doch das Problem ist damit nicht aus der Welt geschaffen und es folgen weitere Wirrungen bis hin zum Trojanischen Krieg.

Ein Bauer aus Milos

Giorgos Kentrotas, Entdecker der Venus von Milos

Am 8. April 1820 erst wurde die 2,04 m hohe Statue auf der Insel von einem Bauern namens Giorgos Kentrotas in der Umgebung der Ruine des antiken Theaters unweit des Ortes Tripiti gefunden.

Die Statue war dort in einer Wandnische aufgestellt. Kentrotas war ursprünglich auf der Suche nach Baumaterial, und er hätte die Statue sicherlich nicht weiter beachtet. Zufällig beobachtete jedoch ein Matrose der französischen Flotte, der spätere Oberst Olivier Vautier, die Ausgrabung.

Vautier regte den Bauern zum Weitergraben an und half ihm sogar bei der Ausgrabung der Aphrodite-Statue. Er fertigte dann persönlich Zeichnungen der geborgenen Marmorteile an. Es wurden der Oberkörper und der untere Teil der Statue sowie zwei Hermen ausgegraben.

Der Weg der Venus in den Louvre

Vautier meldete dann den Fund dem Marquis de Riviere, dem französischen Botschafter in Istanbul. Dem Marquis de Riviere war es durch seine Kontakte möglich, die Statue für Frankreich zu "erwerben". Der Bauer Kentrotas war sich der Bedeutung des einzigartigen Fundes nicht bewusst und wurde mit einigen Geldstücken zufriedengestellt.

Nach einigen Wirren sollte die Statue zunächst nach Konstantinopel verfrachtet werden, aber dies wussten die Franzosen noch rechtzeitig zu verhindern. Der Marquis schenkte die Venus dann dem damaligen französischen König Louis XVIII. Die Statue wurde verschifft und erreichte im November 1820 Frankreich.

König Louis XVIII. wiederum überließ die wertvolle Aphroditestatue im Jahr 1821 dem Louvre, wo man sie noch heute besichtigen kann. Seit der Überführung in den Louvre ist die Statue zu einer weltweiten kunsthistorischen Berühmtheit geworden. In Milos selber ist nur eine Kopie der berühmten Statue zu besichtigen. Vor dem Originalwerk bilden sich im Louvre immer wieder lange Besucherschlangen, die die Ausstrahlung der Göttin der Liebe bewundern.

Rätselhafte Vergangenheit

Welche Geschichte die Statue in den annähernd 2000 Jahren bis zu ihrer Entdeckung aufzuweisen hat, ist bislang unbekannt. Leider ist die Statue nicht mehr vollständig erhalten. Beide Arme der Aphrodite fehlen und sind bis zum heutigen Tag nicht wieder aufgetaucht. Davon abgesehen hat die Statue die Jahrtausende relativ unbeschadet überstanden.

Über den Künstler der Statue herrschen Zweifel. Zusammen mit der Statue der Aphrodite wurde ein Sockelfragment mit einer Inschrift gefunden. Die Statue wurde als das Werk als eines gewissen Alexandros oder Hagesandros ausgewiesen. Leider verschwand der Sockel mit der Inschrift schon bevor die Statue im Louvre aufgestellt wurde, eine eindeutige Zuordnung ist nun nicht mehr möglich. Sowohl Alexandros von Antiochia als auch Hagesandros von Rhodos aus der Künstlergruppe Anthanadoros, Hagesandros & Polydoros kommen als Erschaffer der Aphrodite von Milos in Frage.

Archäologisches Museum von Milos

Das wesentliche Exponat im Archäologischen Museum in Plaka ist natürlich die Aphroditestatue. Sie empfängt einen überlebensgroß direkt hinter der Eingangstür im Vorraum. Tragisch ist nur, dass sie als einziges Ausstellungsstück nicht echt ist. Wenn das Original zumindest in Athen stünde, würde man sich hier am Fundort der "Venus von Milo" sicher mit einer Kopie begnügen. Ob die Aphrodite aber jemals aus Frankreich heimkehren wird, ist fraglich.