Die Amphibien (Lurche) und Reptilien (Kriechtiere) der Insel Milos

von Mario Schweiger

Nach derzeitigem Kenntnisstand kennen wir auf der Insel Milos ein Amphib und zehn Reptilienarten.

Amphib (Lurch)

Wasserfrosch
Wasserfrosch (Foto: Jeroen Speybroeck)
Wasserfrosch (J. Speybroeck)

Wasserfrosch, Pelophylax "ridibundus"

Früher wohl weiter verbreitet, sind heute nur mehr wenige "Restvorkommen" bekannt. Eines davon befindet sich im hintersten Teil (Süßwasserbereich) der Lagune bei Chivadolimni.

Reptilien (Kriechtiere)

Balkan-Bachschildkröte

Balkan-Bachschildkröte, Mauremys rivulata

Wie der Wasserfrosch ist die Bachschildkröte nur mehr von einzelnen Fundpunkten auf der Insel bekannt. In den siebziger Jahren war sie im flachen See bei Provatas eine durchaus häufige Erscheinung. Durch Trockenlegung und Urbarmachung des Gebietes ist sie dort komplett verschwunden.

Balkan-Bachschildkröte (Foto: Johannes Hill)
Balkan-Bachschildkröte (J. Hill)
Balkan-Bachschildkröte (Foto: Johannes Hill)
Balkan-Bachschildkröte (J. Hill)
Halbfingergecko

Halbfingergecko, Hemidactylus turcicus

Gesamtlänge bis 12 oder 13 cm. Der viel seltener anzutreffende der beiden Gecko-Arten. Da diese Spezies praktisch ausschließlich dämmerungs- und nachtaktiv ist, kann man sie meist an Hausmauern im Lichtkegel von Straßen- und Hauslaternen beobachten. Ansonsten wird er praktisch nur unter Müll und/oder Steinen gefunden. Durch die leicht verbreiteten Zehen mit an der Unterseite befindlichen Haftlamellen kann er mühelos auch an glatten, senkrechten Hausmauern laufen. Es ist ihm jedoch nicht möglich, an (fast) senkrechten Glasscheiben zu klettern, wie es der größere und im Mittelmeerraum weit verbreitete - aber auf Milos fehlende - Mauergecko, Tarentola mauritanica kann.

Halbfinger-Gecko (Foto: Mario Schweiger)
Halbfinger-Gecko (M. Schweiger)
Halbfinger-Gecko (Foto: Mario Schweiger)
Halbfinger-Gecko (M. Schweiger)
Nacktfingergecko

Nacktfingergecko, Mediodactylus kotschyi

Gesamtlänge bis etwa 12 cm. Wie schon der Name aussagt, besitzt Mediodactylus keine verbreiteten Zehen. Daher ist es ihm unmöglich, senkrechte (fast) glatte Flächen zu erklimmen. Auch ist er kein Kulturfolger, was für vorgenannten durchaus zutrifft. Man findet den Nacktfingergecko durchaus auch wärend der Tagesstunden zwischen Mauersteinen beim Sonnen. Bei der geringsten Störung verschwindet er in den Spalten, kommt aber bald wieder heraus.

Milos-Mauereidechse

Milos-Mauereidechse, Podarcis milensis

Etwa bis 20 cm lang. Es gibt wohl keinen Platz auf Milos, wo die Milos-Mauereidechse nicht angetroffen werden kann. Feldränder, Bachtäler, aber selbst Grünflächen und Gärten in Ortschaften sind ihr Lebensraum. Männchen und Weibchen haben im Adultstadium eine sehr unterschiedliche Färbung und Zeichnung. Während die Weibchen im großen und ganzen die Jugendzeichnung beibehalten - auf braunem Grund helle Längsstreifen, die Flanken meist dunkler als der Rücken - verändert sich bei den Männchen die Zeichnung vollständig. Erwachsene Tiere zeigen dann ein helles Fleckenmuster auf braunem Grund. Besonders an den Wangen und auf den Flanken ist die Grundfärbung schwarz, sodass die Tiere sehr konstrastreich gezeichnet sind. Oft leuchtend blaue Flecken an den Achseln und im unteren Bereich der Flanken.

Milos-Riesensmaragdeidechse
Riesensmaragdeidechse (Foto: Jeroen Speybroeck)
Riesensmaragdeidechse (J. Speybroeck)

Milos-Riesensmaragdeidechse, Lacerta trilineata hansschweizeri

Wie der Name schon vermuten lässt, handelt es sich bei der Riesensmaragdeidechse um eine kräftig gebaute, sehr große Eidechse, die etwa 45 cm Gesamtlänge erreichen kann. Im Gegensatz zu den in anderen Gegenden verbreiteten meist schön smaragd- bis gelbgrün gefärbten Unterarten, ist die Milos- Riesensmaragdeidechse mehr schmutziggrüngelb, hin und wieder sogar fast grau gefärbt. Jungtiere und Halberwachsene sind kaffeebraun, mit oder ohne drei helle Längsstreifen (namensgebend für die wissenschaftliche Bezeichnung). Die Riesensmaragdeidechse lebt bevorzugt im vegetationsreichen Gebieten (Bachtäler, Phrygana-Hänge, verbuschte Feldränder) und meidet die Nähe menschlicher Aktivitäten.

Johannisechse
Johannisechse (Foto: Johannes Hill)
Johannisechse (J. Hill)

Johannisechse, Ablepharus kitaibeli

Ein kleiner, fast schlangenförmig wirkender Skink mit sehr kurzen und dünnen Beinen. Durch die glatten Schuppen wirkt er wie geölt. Rücken goldbraun, Flanken etwas dunkler. Lebt bevorzugt im niederen Grasbeständen, wo er sich sehr behände und schnell durch die Vegetation schlängelt.

Leopardnatter

Leopardnatter, Zamenis situla

Vollkommen harmlos, obwohl ziemlich bissig. Länge bis 1 Meter. Auf Grund ihrer Färbung und Zeichnung die schönste Schlange der Insel, die auch fast nicht verwechselt werden kann. Es kommen zwei Morphen vor. Die im Gegensatz zu anderen Verbreitungsgebieten auf der Insel häufigere gestreifte und die gefleckte Variante. Immer ist die Grundfärbung silbergrau, bei Jungtieren bis 40 oder 45 cm auch zitronengelb. Darauf befinden sich ziegel- bis leuchtendrote, schwarz gefasste Sattelflecken. Die gestreifte Morphe hat 2 rote, schwarz gesäumte Längsstreifen. Typisch ist die Kopfzeichnung. Auf hellem Untergrund schwarze Streifenzeichnungen. Ein Band verbindet über die Schädeloberseite die Augen.

Milos-Ringelnatter

Milos-Ringelnatter, Natrix natrix schweizeri

Absolut harmlos. Nur in den seltensten Fällen beißen Ringelnattern, und auch nur dann, wenn sie ergriffen werden. Zur Verteidigung sondern sie ein äußerst übel riechendes Sekret aus ihren Analdrüsen ab. Eine nicht geklärte Verteidigungsstrategie ist das "sich totstellen". Dabei dreht sich die Ringelnatter unter krampfartigen Körperbewegungungen auf den Rücken, öffnet ihr Maul und wird total schlaff. Im Extremfall kann sogar aus den Mundschleimhäuten Blut austreten. Läßt man das Tier in Ruhe, erwacht sie in kürzester Zeit wieder "zu neuem Leben" und verschwindet in der Deckung. Länge auf Milos: meist unter 1 Meter. Im Gegensatz zu den in Europa und Westasien weitverbreiteten anderen Unterarten der Ringelnatter, die sich vom Amphibien und Fischen ernähren, ist die Milos-Ringelnatter eine ausgesprochne Echsen- und Kleinsäuger jagende Unterart. Das ist beim Mangel an Fröschen und natürlich auf der Insel verbreiteten Süßwasserfischen auch anders gar nicht möglich. Sie wird daher meist nicht in Gewässernähe gefunden, sondern besiedelt fast alle Lebensraumtypen. Es kommen 2 Färbungsmorphen vor. Die normale zeigt auf silbergrauem Grund große alternierende schwarze Flecken über den gesamten Körper. Viele Tiere sind auch einheitlich schwarz. Eine seltene Übergangsform wird "picturata"-Variante genannt. Die schwarzen Tiere haben über den Körper wahllos verstreute einzelne silbergraue Schuppen. Im Gegensatz zu anderen Ringelnatter-Unterarten fehlen den erwachsenen Milosringelnattern die arttypischen gelben Hinterhauptsflecken.

Milos-Ringelnatter (Foto: Jeroen Speybroeck)
Milos-Ringelnatter (J. Speybroeck)
Milos-Ringelnatter (Foto: Jeroen Speybroeck)
Milos-Ringelnatter (J. Speybroeck)
Katzennatter

Katzennatter, Telescopus fallax

Trugnatter, bedingt giftig. Trugnattern besitzen im hinteren Oberkiefer verlängerte Zähne, mit denen sie ihr Gift in die Wunde einkauen. Für den Menschen vollkommen harmlos. Erstens kommen bei einem Biss - auf Grund ihres kleinen Kopfes - die hinteren Zähne fast nicht zum Einsatz. Zweitens ist das Gift so schwach, dass es höchstens zum Töten ihrer bevorzugten Nahrung - Eidechsen und Geckos - reicht. Länge bis maximal 1 Meter. Die Katzennatter ist wohl über die gesamte Insel verbreitet, wie die Funde vermuten lassen. Da es sich aber bei dieser Art um eine ausschließlich dämmerungs- und nachtaktive Art handelt, wird sie nur selten lebend gefunden. Die meisten Nachweise beziehen sich auf Tiere, die dem Verkehr zum Opfer gefallen sind. Die Katzennatter sieht der Ringelnatter ziemlich ähnlich, läßt sich von dieser aber durch die senkrechten Schlitzpupillen (daher der Name) sofort unterscheiden.

Katzennatter (Foto: Johannes Hill)
Katzennatter (J. Hill)
Katzennatter (Foto: Mario Schweiger)
Katzennatter (M. Schweiger)
Milosviper

Milosviper, Macrovipera schweizeri

Bevor hier die Milosviper vorgestellt wird, muss mit etlichen Schauermärchen aufgeräumt werden. Keine Viper auf der ganzen Welt, und so auch nicht die Milosviper, kann einen etwas schneller gehenden Menschen verfolgen. Die erreichbare Geschwindigkeit dürfte - und das nur auf ganz kurzen Distanzen - nur 3-4 km/h betragen. Auch kann eine Viper niemanden "anspringen". Die mögliche Reichweite liegt im günstigsten Fall etwa bei der Körperlänge der Viper, normalerweise bei etwa 50% der Körperlänge. Bei einer durchnittlichen Körpergröße von 50-70 cm von Macrovipera schweizeri kann sie bestenfalls von eben diesen 70 cm Entfernung beißen.

Trotzdem ist bei einer Begegnung mit einer Milosviper Vorsicht geboten. Die Schlange verfügt über ein sehr wirksames Gift, das oft eine ärztliche Versorgung mit Gabe von Antiserum notwendig macht. Wenn Sie sich aber an ein paar Richtlinien halten (siehe Interview), sollte eine Begegnung mit einer Milosviper zu einem optisch erfreulichen Erlebnis werden. Sie stehen dann einer Tierart gegenüber, die es nur auf Milos und einigen benachbarten Inseln gibt. Durch das sehr kleine Verbreitungsgebiet steht die Milosviper unter strengstem Schutz. Töten Sie daher keine Viper (und auch kein anderes Wildtier), sondern erfreuen Sie sich an deren Anblick.

Es kommen 2 Färbungs-/Zeichnungsvarianten vor. Am häufigsten sind graue bis graubraune Tiere mit einer mehr oder weniger deutlichen braunen Fleckenzeichnung auf dem Rücken. Sehr selten sind einfarbig ziegelrote Tiere. Auch kommen rötliche, mit einer Rückenzeichnung ausgestatte Tiere vor. Dabei handelt es sich meist um nicht vollkommen ausgewachsene, im Alter einfarbig rot werdende Vipern.

Die Milosviper zeigt den typischen Vipern-Habitus. Großer, dreieckiger, deutlich vom Hals abgesetzter Kopf, plumper Körperbau, kurzer und deutlich vom Körper abgesetzter Schwanz. Allein auf Grund dieser Merkmale ist eine Verwechslung mit den heimischen ungiftigen Arten kaum möglich. Denn alle Nattern der Insel besitzen einen schlanken Körper und einen langen Schwanz. Nur die Katzennatter und alte Tiere der Ringelnatter haben einen etwas abgesetzten Kopf. Die Milosviper hat gekielte Rückenschuppen. Daher wirkt sie stumpf und glänzt nicht. Katzen- und Leopardnatter haben glatte Schuppen und daher ein glänzendes Äußeres.

Weitere Arten

Weiters wurden von der Insel Milos immer wieder zusätzliche Arten gemeldet, bei denen es sich aber mit fast 100%iger Wahrscheinlichkeit um Einschleppungen durch Menschenhand (bewusst oder unbewusst) handelt.

So sind alle auf Milos aufgefundenen Landschildkröten (Griechische Landschildkröte, Testudo hermanni; Breitrandschildkröte, Testudo marginata) entlaufene "Gartenschildkröten". Über eine Reproduktion in freier Natur ist bis heute nichts bekannt.

Weitere Einzelfunde waren z.B. die Sandboa, Eryx jaculus turcicus. Eine kleine, kaum 80 cm erreichende Riesenschlange die meist "unterirdisch" lebt.

Auch die Vierstreifennatter, Elaphe quatuorlineata, wurde nur wenige Male gefunden. Diese dürften von Antimilos eingeschleppt worden sein, von wo diese Art durchaus bekannt ist. Da es sich bei Antimilos - wie übrigens beim gesamten Milos-Archipel - um ozeanische Inseln, das heißt, aus dem Meer gewachsene Vulkaninseln handelt, die nur kurzfristig Festlandverbindung hatten, ist die Herkunft der Vierstreifennattern auf Antimilos unbekannt.

Interview: Mario Schweiger über die Macrovipera schweizeri (Milosviper)

Vielen Dank an alle weiteren Bildautoren: