Bergbau auf der Insel Milos

Verladeanlage bei Kanava

Milos befindet sich auf dem Vulkangürtel der südlichen Ägäis, der durch das Abtauchen der afrikanischen Kontinentalplatte unter die ägäische Platte entstanden ist. Glaubt man der Wissenschaft, so stellt diese Situation heute keine ernste Bedrohung dar. Die letzten Vulkanausbrüche auf Milos liegen mindestens 60.000 Jahre zurück. Doch häufige Erdbeben in der Region sowie geothermale Aktivitäten wie heiße Quellen und Gasaustritte bezeugen, dass die Erde hier keineswegs ruht.

Im Laufe der Jahrmillionen hat der Vulkanismus auf Milos eine einzigartige Geologie erschaffen. Und er ist für das Vorhandensein einer Vielzahl teils seltener Bodenschätze verantwortlich, die die Geschichte der Insel von der Jungsteinzeit bis heute geprägt haben. Natürlich waren nicht alle Bodenschätze zu jedem Zeitpunkt von wirtschaftlicher Bedeutung. So lag in den verschiedenen Epochen das Interesse der Menschen auch immer wieder auf unterschiedlichen Materialien, die es der Natur in mühevoller Arbeit abzutrotzen galt. Als rund 7000 Jahre v.Chr. in Nichia und Demenegaki Obsidian gewonnen wurde, wusste man weder mit dem Manganerz aus Vani noch dem Schwefel aus Paliorema etwas anzufangen. Und auf dem Höhepunkt der Mühlsteinproduktion in Rema ahnte man noch lange nichts von den modernen Produktionsprozessen, in denen Perlit ein Rolle spielen würde.

Heute ist der gesamte Bergbau in Milos geprägt vom Abbau zweier Mineralien: Bentonit und Perlit. Daneben wird in einer einzigen Mine im Südwesten der Insel noch Puzzolan gewonnen. Angaben in verschiedenen Quellen über den Abbau weiterer Erze wie zum Beispiel Kaolin und Barit sind nicht mehr aktuell (Stand 2011). Die Minen existieren natürlich noch, aber die Produktion wurde zumindest vorerst eingestellt. Bentonit, Perlit und Puzzolan werden oberirdisch gewonnen, so dass der klassische Untertagebau der Vergangenheit angehört. Der Abbau findet heute großflächig und hochtechnisiert mittels mächtiger Fahrzeuge statt. Nur in den verlassenen früheren Bergbauregionen zeugen alte Stollen, rostige unterirdische Schienennetze und verlassene Anlagen noch immer von den harten Zeiten, in denen die Bergleute ihr entbehrungsreiches Leben größtenteils unter Tage fristeten.

Der Tagebau ist heute vorwiegend, wenn auch nicht ausschließlich, in der Hand der Firma S&B Industrial Minerals S.A. Das griechische Unternehmen operiert weltweit, seine wesentlichen Geschäftsfelder sind die Gewinnung und Verarbeitung von Bentonit, Perlit und Bauxit. Die Gründer begannen im Jahr 1933 mit dem Abbau von Bauxit in drei verschiedenen Minen auf dem griechischen Festland. Bereits ein Jahr später gründeten sie die Firma Silver & Baryte Ores Mining Co. S.A., um auf Milos, Kimolos und Polyegos verschiedene Bodenschätze zu gewinnen. Vornehmlich ging es dabei um Silber und Barit, was für den Unternehmensnamen ausschlaggebend war. Barit heißt auf Griechisch "Varitis", jedoch wird eine spezielle Form von Barit mit einem geringen Silberanteil als "Varitinis" bezeichnet. So kommt es, dass S&B auch heute noch von den Einheimischen "Varitini" genannt wird.

Durch die stetige Akquisition kleinerer lokaler Bergbaufirmen wurde S&B in Milos zum Marktführer. Der Anteil von S&B am Gesamtexport von Bentonit und Perlit aus Milos liegt bei über 90%, einige weitere Firmen teilen sich den Rest. Die oben genannte Puzzolanmine wird von der Firma LAVA Mining and Quarrying S.A. betrieben, das Unternehmen baut zudem an anderer Stelle noch Quarzsand ab.