Spezialitäten und Delikatessen aus Milos
Wer dem genussvollen Essen zugetan ist, findet in Milos sowohl einige lokale Spezialitäten als auch weniger traditionsreiche aber dafür umso leckerere Produkte, die oft zum haltlosen Direktverzehr verführen.
Die traditionellen Dinge sind wie so oft im Laufe vieler Jahrzehnte - oder gar Jahrhunderte? - aus der Notwendigkeit entstanden, mit dem wenigen Vorhandenen auszukommen. Hier finden sich oft Melonen, Kürbisse und Tomaten wieder, die auf vielfältigste Weise verarbeitet werden.
Der populäre weiße Milos-Kürbis ist ein solches Grundnahrungsmittel. Er wird als Kolokithi bezeichnet. Bei kleineren Exemplaren greift die ohnehin im Griechischen sehr gebräuchliche Verniedlichungsform und aus dem Kolokithi wird ein Kolokithaki, ein "Kürbischen". Und genau da entstehen oft Missverständnisse, wenn man nach Zutaten für irgendein Gericht fragt, denn Kolokithaki bedeutet auch Zucchini. Also, wer in Milos als Inhaltsangabe Kolokithakia (Pural von Kolokithaki) genannt bekommt, hat es nicht zwingend mit Zucchini sondern gegebenenfalls mit dem weißen Milos-Kürbis zu tun. Und wo wir schon bei den Kürbis-Vokabeln sind - neben Kolokithi gibt es noch Kolokitha, den Flaschenkürbis, der gerne getrocknet zu Dekorationszwecken verwendet wird.
Tomaten sind ebenfalls eine Grundlage für zahlreiche Nahrungsmittel. Die Notwendigkeit, frische Tomaten auf irgendeine Weise vor dem Verderb zu schützen und zu konservieren, hat Produkte wie die Tomatenpaste Belté oder eben ganz einfach getrocknete Tomaten hervorgebracht.
Einkaufstipp: Delikatessen / Feinkost

Vichos Delikatessen
Der Feinkostladen von Vichos befindet sich in Adamas an der Straße Richtung Plaka auf der linken Seite. Er ist zwar nicht der einzig gute, aber wegen seiner Auswahl zu empfehlen. Hier gibt es Milos-Wein, Milos-Käse, typisches Gebäck und vieles mehr. Diese eigentlich sehr einfachen Produkte, die noch viele Einheimische, die ein wenig Landwirtschaft für den Eigenbedarf betreiben, selber herstellen, sind natürlich vergleichsweise teuer, sobald sie zu Delikatessen aufgewertet und schick präsentiert werden. Dennoch eignen sie sich gut als Urlaubserinnerung oder als typisches Mitbringsel aus Milos.
Einkaufstipp: Süßkram
Dann gibt es natürlich noch die Leckereien, die weniger mit lokalen Traditionen als mit der Neigung der Griechen zu tun haben, sündhaft klebrige Süßspeisen in Perfektion herzustellen. Zwei Konditoreien (wobei der griechische Begriff Zacharoplasteio viel verheißungsvoller klingt) möchte ich hier vorstellen. Deren Produkte sind, stets aufwändig in Geschenkkartons verpackt, übrigens auch ein gängiges Mitbringsel bei Einladungen vor Ort.

Glykophilema
"To Glykophilema", frei übersetzt das Schleckermäulchen, ist ein kleiner Laden in Adamas an der Hauptstraße hinter dem Hotel Portiani. Anezina Vamvouni kreiert hier umwerfend leckeres Gebäck mit Schwerpunkt auf nussig-blätterteigigen Sachen. Außerdem werden noch einige herzhafte Spezialitäten wie Kapern, Oliven etc. angeboten.

Glykophilema Box

Blätterteig-Variationen

Raptis in Triovasalos
"Raptis" präsentiert vor allem eine spektakuläre Auswahl an Cremetörtchen und artverwandten Klebrigkeiten. Die Sachen sind gut gekühlt, immer frisch und so vielfältig, dass man lange benötigt, um alles zu probieren. In Adamas befand sich viele Jahre eine Dependance am Zentralplatz, der Laden musste aber 2009 wegen eines tragischen Schicksalsschlags in der Familie geschlossen werden. Das eigentliche Raptis-Headquarters befindet sich jedoch in Triovasalos, nur ist es so unscheinbar, dass sich kaum ein Tourist dorthin verirrt. Man findet es an der Hauptstraße, wenn man hochfährt rechterhand.

Raptis in Adamas, jetzt geschlossen

Raptis Box
Milos-Spezialitäten im einzelnen:
Koufeto
Koufeto ist eine typische Süßspeise aus Milos. Vom Charakter her einer Marmelade nicht unähnlich, isst man es gern pur. Mitteleuropäische Bauchspeicheldrüsen verkraften das nur bedingt, so dass auch die Kombination mit Joghurt oder eben die Verwendung als Marmelade auf Brot oder Croissant empfehlenswert ist. Koufeto wird aus dem oben beschriebenen weißen Kürbis, Honig und Mandeln hergestellt. Man findet es nicht nur in den Feinkostläden sondern auch in vielen Bäckereien.
Moustokouloura
Traubenmostkekse werden aus einem dunklen Teig gebacken, der geschmacklich an Spekulatius erinnert und - wer hätte es gedacht - Traubenmost enthält. Derivate des profanen Traubenmostkekses können zum Beispiel mit Rosinen oder Sesam angereichert werden. Auch die Form kann variieren, Kringel, Spiralen, alles ist möglich. Meines Erachtens gibt es gerade bei den Moustokouloura große Qualitätsunterschiede. Manchmal sind sie ausgetrocknet, manchmal zu weich. Die besten gibt es - wie ich finde - in der kleinen Bäckerei am Anfang der Hafenpromenade von Pollonia.

Koufeto von Vichos und Moustokouloura

Floras Bäckerei in Pollonia
Getrocknete Tomaten
Getrocknete Tomaten bekommt man natürlich nicht nur in südlichen Urlaubsgefilden sondern mittlerweile auch beim Discounter daheim. Ich möchte aber ausdrücklich diejenigen aus Milos empfehlen. Sie sind sonnengereift, sonnengetrocknet, mit Meersalz konserviert und im Geschmack einmalig aromatisch. Ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bekommt man zum Beispiel bei Vichos, an anderer Stelle sind sie zum Teil sehr viel teurer.

Getrocknete Tomaten

Getrocknete Tomaten
Belté (Tomatenpaste)
Die aromatischen milischen Tomaten lassen sich auch zu einer hochkonzentrierten Paste verarbeiten, die einem bei genauem Hinsehen vielerorts begegnet. Unscheinbar, weil aufgrund der Salzigkeit sparsam dosiert, erscheint sie auf den Weißbrotstückchen inmitten der Mezedesplatte, zum Grillfleisch oder den Patates aus dem Ofen. Jedenfalls hat man es nicht mit simplem Tomatenpürre zu tun, sondern mit einer lokalen Spezialität, die meiner Erfahrung nach auch hausgemacht in vielen privaten Kühlschränken lagert.
Kritamo
Es hat ein wenig gedauert, bis ich in Erfahrung bringen konnte, um was es sich dabei handelt. Die netten Damen bei Glykophilema haben es uns als Salatbeigabe empfohlen und als solche hat es sich auch bewährt. Lange Zeit beschränkte sich mein Kenntnisstand allerdings darauf, dass Kritamo irgendwo nahe am Wasser wächst. Schließlich kam ich drauf, dass es sich um Meerfenchel handelt (mehr dazu im Blog: Kritamo / Meerfenchel). Meerfenchel schmeckt sehr markant und sollte daher sparsam dosiert werden, gibt aber dem Salat eine recht exotische Note. Mittlerweile habe ich ihn auch schon in freier Wildbahn identifizieren können.

Kritamo (Meerfenchel)

Salat mit Kritamo
Karpousopitta

Milos-Melone, alte Sorte
Die Wassermelone (Karpousi) begegnet einem in Milos recht häufig, und wer an Traditionen festhält, baut die alten Sorten an. Diese "old seeds" sind durch extrem große Kerne gekennzeichnet, die Kürbiskernen zum Verwechseln ähnlich sehen. Mit diesen Riesenkernen ist das Melonenessen noch lästiger als es ohnehin schon ist, aber die alten Milos-Melonen schmecken immerhin sehr fruchtig.
Eine etwas ungewöhnliche Spezialität ist Karpousopitta, ein Melonenkuchen. Der Gedanke, die doch sehr wässrigen Melonen auf einen Kuchen aufzubringen, ist merkwürdig, aber letztendlich entsteht bei dem zwangsläufig sehr langen Backvorgang aus dem Fruchtfleisch eine marmeladenartige Masse. Form und Haptik des Melonenkuchens erinnern an einen dicken, lappigen Pfannkuchen. Meiner Meinung nach schmeckt er am besten ganz frisch, innen saftig und außen zumindest noch mit der Tendenz zum Knusprigen. Später weicht er dann ziemlich auf.
Milos-Honig
Wer aufmerksam durch die Landschaft streift, sieht hier und dort immer wieder Bienenstöcke stehen. Idealerweise bedienen sich die Tierchen am wilden Thymian und anderen Kräutern, die die so charakteristische griechische Phrygana ausmachen. Lokaler Honig wird in vielen Geschäften in unterschiedlichsten Sorten angeboten, so dass ich überfordert bin, eine konkrete Empfehlung auszusprechen. Am besten man probiert den Honig selber aus.

Bienenstöcke bei Paliorema

Wilder Thymian
Milos-Wein
Entgegen der romantisierenden Auffassung, "local" Milos-Wein sei das Nonplusultra für den bodenständigen Individualtouristen beim abendlichen Tavernenbesuch, warne ich gern nachhaltig vor dem unkritischen Genuss offener Weine. Das Qualitätsspektrum ist gar weitgefächert und wird am einen Ende der Skala annähernd gesundheitsgefährdend. Es gibt in Milos recht guten offenen Wein, der auch am nächsten Morgen keinen Schaden hinterlässt, aber eben auch gräusliches Gebräu, das zum Teil weder aus Milos kommt noch per Definition als Wein zu bezeichnen ist (zum Beispiel Instant-Weinpulver, das mit Wasser und Alkohol aufgegossen wird!). Flaschenabfüllungen, die offiziell in den Spezialitäten-Läden und in manchen anderen Geschäften verkauft werden, sind erfahrungsgemäß recht gut, wenn auch hochpreisig. Aber immerhin erhält man hiermit ein ideale Urlaubserinnerung zum Mitnehmen (mehr dazu im Blog: Milos-Wein von Vichos ).
Loukoumades

Cafe "I Milos", Adamas
Loukoumades sind keine milische Spezialität, aber immerhin ist Milos eine der Inseln, auf denen man sie angeboten bekommt. Nachdem wir auf Tinos erstmals die süßen, frittierten Hefeteig-Bällchen gegessen und während dieses Urlaubs eine gewisse Abhängigkeit entwickelt hatten, stellte sich heraus, dass man auf anderen Inseln nicht einmal wusste, was gemeint ist. Umso erfreulicher ist es, dass man hier in Milos zumindest in der Hauptsaison Loukoumades bekommt. In der Nebensaison wird es etwas schwieriger, da offensichtlich ein gewisser Durchsatz bei der Herstellung erforderlich ist. Honig und Sesam oder gehackte Nüsse gehören zwingend dazu, Eiscreme ist die Kür und ein eiskalter Frappe rundet die Sache final ab.
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