Ich kaufe griechische Staatsanleihen
In guten wie in schlechten Zeiten. Wenn alles in Ordnung ist, das Meer rauscht und der Ouzo den Sonnenuntergang begleitet, ist es einfach, sich zu Griechenland zu bekennen. Gerne fährt man dorthin, wo alles so locker ist, das Leben so leicht scheint, weil es nicht so schrecklich verkrampft und durchorganisiert ist wie zum Beispiel in Deutschland. Begeistert erzählt man zuhause, wie unbürokratisch man ohne Papierkram das Moped ausgeliehen hat, wie das Übergepäck ohne Gebühr eingecheckt wurde, weil die Schwägerin vom Vermieter am Schalter saß. Und so weiter… Dieses vielbeschriebene Laissez-faire, das Improvisationsvermögen und die Fähigkeit zur Muße in den unmöglichsten Situationen ist genau das, was in guten Zeiten im positiven Sinne als die südländische, die griechische Mentalität bezeichnet wird.
In schlechten Zeiten nun, da das Paradies plötzlich in eine wirtschaftliche Schräglage geraten ist, zeigt sich das wahre Gesicht vieler selbsternannter Griechenlandkenner und -liebhaber. Die “griechische Mentalität” wird plötzlich mit ganz anderen Attributen assoziert: Schlampig, korrupt, faul. Es sind nicht wenige Leserbriefe und Kommentare in den Medien, die von solchen Gehässigkeiten strotzen und ein ganzes Volk beleidigen. Vielleicht steckt ein wenig Neid auf die Lebensfreude der Südländer dahinter, der schon immer im Verborgenen schwelte. Jetzt kann man sich endlich darauf berufen, dass das eigene spießige, missmutige Dasein ja doch die wirtschaftlich bessere Lösung ist.
Ich halte es jedenfalls für konsequent, sich solidarisch zu zeigen. Deshalb habe ich griechische Staatsanleihen gekauft. Ob die Bonds sich in Luft auflösen oder am Ende noch eine gute Rendite bringen, ist für mich persönlich sekundär. Nicht aber für Griechenland, und darum geht es. Ich möchte meine Verbundenheit manifestieren, fahre weiterhin so oft wie möglich nach Griechenland und bin davon überzeugt, dass die Griechen auch die derzeitige Herausforderung meistern werden wie schon viele andere zuvor.


Das Meckern über die anderen gehört doch zur typisch deutschen Spießbürger-Kultur. Da regt man sich über jeden Mist auf und will jede Regel ins kleinste Detail befolgt wissen.
Diese Engstirnigkeit geht auch mir als “Deutscher”* sehr auf den Geist. Hier in Tübingen laufen beispielsweise Leute vom Ordnungsamt rum, die Studenten aufhalten, weil sie bei Rot über die Straße gehen. Inklusive Strafe und Bußgeld natürlich!
* zum Deutsch sein kommt ich reichlich wenig. Ich bin zu beschäftigt, Mensch zu sein :>.
[ Geschrieben am 12. Mai 2010 um 15:08 Uhr von Simon ]
Danke Immo! Du sprichst mir aus der Seele. Vielleicht sollte das mal als Aufmacher in der “Bild” stehen. lg
[ Geschrieben am 12. Mai 2010 um 10:34 Uhr von Martha ]