Milos - Ein Erfahrungsbericht von Helmut Springer
Im Juli hatte ich erstmals Kontakt mit Helmut Springer aus Wien. Er hatte einige Fragen zur Vorbereitung auf seinen Milosurlaub. Wir haben noch ein bisschen hin- und hergemailt und er hat mir versprochen, sich nach seinem Urlaub wieder zu melden, um mir zu berichten, wie es war. Nun habe ich also einen detaillierten, kompakten Erfahrungsbericht vorliegen von jemandem, der Milos weniger euphorisch betrachtet und beurteilt als wir es tun - und gerade deshalb veröffentliche ich ihn gern an dieser Stelle, um auch mal eine andere Sichtweise zu zeigen. Manches deckt sich mit unseren Ansichten, anderes wiederum gar nicht. Einige Erlebnisse sind sicher auf die Reisezeit Ende Juli/Anfang August zurückzuführen, in der Milos schon arg überfüllt ist. Aber vieles ist auch einfach eine persönliche Geschmacksache. Zur Erweiterung des Horizonts hier also der Erfahrungsbericht von Helmut Springer:
Wien, 25. August 2006
Gedanken zu meinem Urlaub auf Milos
Meine Bilanz des heurigen Sommerurlaubs ist eine seltsam zwiespältige (hängt vielleicht damit zusammen, dass ich im Sternzeichen des Zwillings geboren bin …)
Vorab: obwohl vieles an Milos faszinierend ist, verliebt habe ich mich in Milos nur beschränkt, eines scheint ziemlich sicher: sollte ich nochmals nach Milos reisen, dann sicher nicht mehr in der Hauptsaison (wie ich Ihnen aber bereits einmal gemailt habe, aus beruflichen Gründen meiner Lebenspartnerin ist zur Zeit ein anderer Termin für uns schwer möglich).
Was hat mir an Milos gefallen ?
1) Die teils wirklich beeindruckenden Gesteinsformationen, so etwas wird es in dieser Farbenpracht kaum auf einer anderen griechischen Insel geben
2) Kleftiko ist dabei der absolute Hit, damit Vergleichbares habe ich eigentlich weder in Sardinien noch an der Algarve gesehen
3) Das abendliche Leben und Treiben an der Hafenpromenade in Adamas, ebenso abends in Plaka
4) Traumhafter Ausblick vom Kastro
5) „Mondlandschaft“ um Sarakiniko für mich einmalig schön
6) Wasserqualität an den Stränden der Südküste
7) Landschaftl. Schönheit von Firiplaka, Paleochori, Provatas
8) Wunderschöne Tagesfahrt mit Chrisovalandou (Katamaran) mit Badestopps in Kalogries und Kleftiko und ausgezeichnetem Picknick in Sykia (kostet zwar 60.- EUR pro Person, ist jedoch aus meiner Sicht jeden Cent wert). Fasst maximal 20 Passagiere, kann sehr nah an die Küsten heranfahren und damit mit Rundfahrten mit den großen Motorschiffen wie Delfini nicht zu vergleichen (diese kosten EUR 20.- pro Person)
Was habe ich negativ empfunden ?
1) Recht mühsame Anreise von Wien, dafür kann natürlich Milos nichts, aber wahr-scheinlich bin ich aufgrund meines Geburtsjahrganges 1947 schon ein bisschen bequem geworden…
Das Problem von Wien aus ist, dass sowohl Austrian Airlines als auch Olympic Airways relativ spät von Wien wegfliegen, sodass man am selben Tag Anschlussflüge nach Milos ( und auch zu den meisten anderen griechischen Inseln) nicht mehr erreicht und somit gezwungen ist, in Athen zu übernachten. Da der neue Flughafen weit von Athen entfernt ist, benötigt man mit dem Expressbus X95 zum Syntagma-Platz bis zu einer Stunde. Diese Stunde plus 2 Stunden check-in-time auch für Inlandsflüge bedeuten beim Weiterflug 3 Stunden „Vorlaufzeit“ für einen etwa 30minütigen Flug nach Milos, keine wirklich vernünftige Relation…
Ich wollte mir nach vielen Jahren Athen wieder einmal ansehen, somit habe ich bei der Anreise die Sache als nicht so negativ empfunden, bei der Rückreise war es schon eher lästig.
2) De facto benötigt man ein Leihauto, Mietwagenpreise sehr hoch (Anbieter scheinen sich abgesprochen haben, es gibt kaum Preisunterschiede); für einen Opel Corsa mit Air Condition habe ich EUR 48.- pro Tag gezahlt (ohne Vollkaskoversicherung !), im Vorjahr zahlte ich auf Naxos für ein vergleichbares Auto EUR 34.- inkl. Kaskoversicherung!
3) Wenn man in Adamas wohnt, doch relativ weite Anreise zu den attraktiven Stränden.
Einschub:
Meine Bewertung der Strände, die ich besucht habe
Paliochori (mit Bus von Adamas zu erreichen): ich hatte einen Sandstrand erwartet, Kieselsteine teils recht unangenehm, landschaftlich sehr schön, besonders die vom Land aus gesehen rechte Bucht, allerdings ist das durch das darüber liegende Lokal (ich glaube, es heißt „Deep Blue“) kein Strand, sondern eine Art Stranddisco, da den ganzen Tag mit ohrenbetäubender unangenehmer Lautstärke Disco-Sound zum besten gegeben wird; nicht wirklich das Wahre für Leute in meinem Alter….
Ab dem frühen Nachmittag gerammelt voll …
Provatas (mit Bus von Adamas zu erreichen): grundsätzlich sehr schöner flacher Sandstrand, auch landschaftlich schön, aber relativ klein und schon Ende Juli ab Nachmittag fast unerträglich voll
Firiplaka: für mich einer der schönsten Strände der Insel, Anfahrt durch ein großes Bergbaurevier nicht unbedingt attraktiv, großartige Gesteinsformationen im Hintergrund, über die sanitären Verhältnisse mag ich nicht nachdenken, ein einziger WC-Container auf dem von den Stränden sehr weit entfernten Parkplatz. Für mich der schönste Teil der vom Land aus gesehen ganz rechts gelegene Strand, traumhafter Sandstrand, beste Wasserqualität, landschaftlich beeindruckend, Anmarsch vom Parkplatz etwa 20-30 Minuten (teils über Felsen oder durchs Wasser), dort auch in Hochsaison FKK möglich. Eher mühsam, aber die Mühe lohnt sich aus meiner Sicht.
Papikinou: im Prinzip gar nicht so schlecht, Vorteile: leichte Erreichbarkeit von Adamas und speziell von unserem Quartier (wir haben in Nähe des Hotels Santa Maria gewohnt), natürlicher Schatten durch Tamarisken, jedoch gravierender und entscheidender Nachteil: Lärm und vor allem Abgase von der dahinter parallel laufenden stark befahrenen Hauptverkehrsstraße in Richtung Flughafen, landschaftlich mit anderen Stränden nicht vergleichbar
Tsigrado: habe ich nur von oben gesehen, da Anmarsch mit Seilsicherung lt. Auskunft sehr beschwerlich, außerdem angeblich zumindest ab Anfang August ab Mittag unerträglich voll (Invasion von italienischen Urlaubern)
Sarakiniko: landschaftlich traumhaft, zum Baden meiner Meinung nach nicht wirklich interessant, gesteckt voll….
Driades: traumhaft, aber „seriös“ aufgrund des Straßenzustandes nur mit Jeep (vermutlich am besten mit 4WD) zu erreichen; ich hatte für einen Tag einen KIA Picanto geliehen, war eher abenteuerliche Anreise (übrigens: die Straße nach Ammoudaraki soll lt. mir erteilter Auskunft noch schlechter sein !!) , noch ärger war dann allerdings die Fahrt zum (übrigens vollkommen menschenleeren) Kloster Ag. Ioannis. Das allerschlimmste Teilstück war dann vom Kloster in Richtung Südküste (würde ich nicht mehr als Straße, sondern als Geröllpiste bezeichnen). Ich wollte aber unbedingt zum Gerontas Strand, leider eine Enttäuschung, um diesen zu erreichen, muss man zu Fuß durch das Areal einer Bergbaugesellschaft (Begehen auf eigene Gefahr erlaubt), ich schätze, dass man eher 45 Minuten als 30 Minuten zum Strand braucht, zurück sicher noch länger, da es dann doch einen Höhenunterschied von vielleicht 100 – 150 Meter (geschätzt) zu überwinden gilt.
Platiena: hat mich nicht sehr beeindruckt, eher schlechte Wasserqualität (herum schwimmende Plastiksäcke und dergleichen).
4) Qualität des Essens in den Tavernen im großen und ganzen ziemlich enttäuschend
Dazu ein paar Anmerkungen:
Flissvos, Adamas: trotz Europe Award nicht wirklich überzeugend, Service im Vergleich zu anderen Lokalen recht gut, alles in allem von den von uns besuchten Lokalen das am wenigsten schlechte …
Navajio, Adamas (an der Straße Richtung Mining Museum und weiter Flughafen): Schwertfisch und kleine frittierte Fische waren gleich scheußlich, einmal und nie wieder !
Tarantela, Provatas: traumhafter Ausblick, Salate sehr gut, Service freundlich und bemüht, aber leider Qualität von 2 Hauptspeisen eine Katastrophe !
Belivanis, Triovassalos: für mich eine ziemliche Enttäuschung, Souvlaki ok, aber kein Grund für Begeisterung, Interieur des Lokals nicht wirklich ansprechend, Service total überfordert
Medusa, Mandrakia: ein ganz modernes, offenbar erst vor einiger Zeit errichtetes Lokal (ein paar Hundert Meter vor dem Ort), vom Design nicht ganz mein Fall, irgendwie künstlich, ohne Charme, vielleicht nicht wirklich auf Milos passend. Eine Art von Geschäftsführer wirbelte herum und verwirrte durch seine Hektik das Servierpersonal zusätzlich, Qualität des Essens (Octopus) sehr bescheiden, einige italienische Gäste schüttelten ob des Geschehens nur mehr belustigt den Kopf, dem Mann gebührt ein Orden der italienischen Fremdenverkehrswerbung, denn in diesem Lokal stellt sich selbst der hartgesottenste Griechenland-Fan die Frage nach der Sinnhaftigkeit eines Griechenland-Urlaubs….
To Diporto (Zu den zwei Türen), Plaka: nett zu sitzen, netter Service, Essensqualität ok, aber nicht aufregend, für Milos im oberen Preisbereich, für das Gebotene eigentlich zu teuer
Qualität der Hausweine aus meiner Sicht im allgemeinen eher enttäuschend
5) Charakter der Insel eher rau und schroff, das Mediterran-Liebliche fehlt (ist z.B. auf Naxos und speziell auf Kefallonia viel mehr gegeben); mich persönlich hat es weniger gestört, ich liebe faszinierende Gesteinsformationen und u.a. auch Wüstenlandschaften, meine Lebenspartnerin, welche sehr auf Grün und Pflanzen fixiert ist, war nicht so ganz glücklich
Helmut Springer


Hoi Helmut
Wie überall auf der Welt kann man bei der Auswahl des Restaurants daneben liegen, das gilt auch für Milos. Ich kann für Milos die Taverne von Zacharias in Adamas am Hafen empfehlen und generell sollte man die Taverne nicht wechseln, wenn man gute Erfahrungen gemacht hat. (Athen: Taverne gegenüber Haupteingang des Monastiraki-Bahnhofs, linke Hand, 2 Pers. 25EUR-pumpevoll) Gruss Ralf
[ Geschrieben am 3. Oktober 2006 um 06:38 Uhr von Ralf Dopp ]