Grillen oder Zikaden
Jeder kennt ja das mehr oder weniger heftige Gezirpe der Insekten, die man nie sieht, aber umso mehr hört. Das Geräusch beschönigend als Gesang zu bezeichnen, ist nicht ganz treffend, aber da es zum Aufenthalt in südlichen (Urlaubs-)gefilden dazugehört, ist es in der Regel positiv besetzt. Denn eine schöne Atmosphäre entsteht aus dem Zusammenspiel verschiedenster Sinneseindrücke. Und während die Augen den Blick zum Horizont schweifen lassen, die Haut den lauen Wind vom Meer spürt, die Nase das Salz und die wilden Kräuter der Phrygana riecht, wird das Gehör meist von den Zikaden vereinnahmt. Tagsüber jedenfalls.
Mir war es nie ganz klar, wer da eigentlich lärmt, und die Namen Zikade und Grille fallen meist gleichberechtigt in diesem Zusammenhang. Fakt ist, dass Zikaden und Grillen zu unterschiedlichen Insektenordnungen gehören. Und obwohl der Lärm ähnlich klingt und bei beiden Spezies im wesentlichen zum Beeindrucken der Weibchen dient (was sonst?), wird er auf unterschiedliche Weise erzeugt: Die Zikade (genauer: Singzikade) verfügt über ein spezielles Organ, die Grille (genauer: Echte Grille) sägt mit ihren Flügeln.
Uns kann das egal sein, die wichtigste Unterscheidung ist schlichtweg der Zeitpunkt des Gesangs. Zikaden sind tagsüber aktiv bis zur Abenddämmerung und begleiten uns bei schweißtreibenden Wanderungen in der flirrenden Sonne oder beim dösigen Nickerchen im Schatten der Tamarisken am Strand. Später werden sie von den Grillen abgelöst, die das Genießen einiger Gläser herben Landweins oder eines eiskalten Ouzo in warmer, sternenklarer Nacht noch authentischer machen.

Zikade in Agia Kyriaki


σκαει ο τζιτζκας;
[ Geschrieben am 12. März 2010 um 12:03 Uhr von Juza ]