Das Athener Taxi-Paradoxon
Wir haben letztens eine unangenehme Erfahrung mit den Taxis in Athen gemacht. Nachts gegen 1 Uhr wollten wir vom Syntagma zu einer Adresse “hinter” der Akropolis, also nicht sehr weit. Ein Taxifahrer nach dem anderen gab vor, er kenne die Adresse gar nicht. Schwachsinn, außerdem hat natürlich jeder ein Navi im Auto. Einer war dann so fair, uns augenzwinkernd zu erklären, es einfach ein paar Schritte vom Syntagma entfernt nochmal zu versuchen. Und siehe da, das erstbeste Taxi hat gehalten und die kurze Strecke für etwa 6 EUR auf sich genommen. Ich gehe also davon aus, dass die Taxifahrer am Syntagma mit hartnäckiger Dreistigkeit die nächtens mit dem Expressbus ankommenden Fahrgäste abgreifen wollen, die zu weiter entfernt liegenden Zielen gebracht werden möchten. Kleinkram wird dreist abgeblockt.
Daraus folgt dann auch das Athener Taxi-Paradoxon: Es gibt nachts um jede Endhaltestelle E herum eine “tote Zone”, deren innerer Radius r1 die weitestmögliche Entfernung beschreibt, um gerade noch zu Fuß dort hin gelangen zu können. Der äußere Radius r2 ist gerade groß genug, dass die Taxifahrer ab hier bereit sind, von E aus das Ziel Z anzusteueren. Geht man davon aus, dass es unmöglich ist, den Taxifahrer zu einer Dreiecksfahrt zu veranlassen, um die erforderlichen Mindestkilometer zu erreichen, kann ein Ziel Z innerhalb der Zone nur in mindestens zwei Zügen erreicht werden. Entweder gilt r2 - r1 ≤ r1, d.h. die tote Zone kann zu Fuß durchquert werden, dann könnte man bei gleichzeitiger Minimierung von Taxikosten und Fußweg mit einer Fahrt zum äußeren Radius r2 (wobei Z auf der Fahrtstrecke liegt) und einem Fußweg zurück das Problem lösen. Oder es gilt r2 - r1 > r1, dann muss man zwei Fahrten der Länge r2 kombinieren und das Zwischenziel Z’ zuvor mit Zirkel und Lineal ermitteln. Banal, aber kurios.
