Phaeton
Heute finde ich beim Ausmisten ein bereits älteres Reklamebriefchen vom VW-Händler. Recht chic aufgemacht gibt es ein paar freundliche Worte und dann geht’s zur Sache: Man möchte mir gern den Phaeton vorstellen, irgendwas sei neu, einer stehe schon da und warte nur darauf, von mir probegefahren zu werden. Komisch eigentlich, denn das Gefährt gibt es schon lange, in echt gesehen habe ich es bewusst noch nie und warum sollte ausgerechnet ich mich dafür interessieren? Ich bin froh, nur selten Auto fahren zu müssen, gebe dafür ungern Geld aus, und in solch einer Greisenschaukel würde mir das mit meinen gefühlten 28 Jahren schon gar nicht behagen. Betreutes Wohnen auf vier Rädern, sehr uninteressant.
Aber wo der Anlass zum Spott schon so schön präsentiert wird, möchte ich doch kurz auf den Namen Phaeton eingehen… Was bewegt einen Autohersteller, sein Luxusmodell nach einem antiken Amokfahrer zu benennen? Wir erinnern uns: Phaeton (genauer: Phaéthon) war der pubertierende Sohn unseres allseits beliebten Sonnengottes Helios (Ilios). Der Vati hatte ihm verboten, sich den Sonnenwagen auszuleihen, mit dem er täglich seine Runde am Himmel zieht. Phaeton aber, der jugendliche Raser, schnappt sich das Gefährt und fährt es nicht nur zu Schanden sondern sich auch noch in den Tod. Eine Glanzleistung.
Schön, dass die griechische Mythologie für desorientierte Produktmarketer noch weitere Antihelden bereithält, die als Namensgeber auch für kleinere Dinge des täglichen Bedarfs herhalten können. Da gibt es zum Beispiel schöne Ideen für Ikea: Den Aktenordner “Sisyphos” oder das Stillkissen “Medea”…
