|
Kommen wir nun zu den Stränden der Nordküste und beginnen korrekterweise mit dem Strand von Pollonia, auch wenn dieser eigentlich nicht erwähnenswert ist. Er liegt in der Bucht, um die sich der kleine Ort gruppiert und bildet quasi eine Einheit mit dem Hafen. Demzufolge ist der Strand schlichtweg dreckig. Obwohl es wirklich genug Alternativen auf der ganzen Insel gibt, wird er doch von vielen Badenden aufgesucht, wahrscheinlich aufgrund der sehr guten Erreichbarkeit.
Ein Stück nach dem Ortsausgang von Pollonia, dort wo die Straße nach Adamas oberhalb der Steilküste dicht am Meer vorbeiführt, findet man den Fjord von Papafrangas. Einen tiefen Einschnitt im Fels, wenige Meter breit, mit senkrechten Felswänden, der durch ein natürliches Felsentor mit dem Meer verbunden ist. Am Ende führen schmale, in den weichen Stein gehauene Stufen zu einem winzigen Sandstand hinab, der in eine Höhle mündet. Alles in allem ist Papafrangas also ein wirklich spektakuläres Gebilde. Der Nachteil ist allerdings die bereits erwähnte Verschmutzung an der Nordküste, die hier besonders kritisch zum Tragen kommt, da angeschwemmter Unrat von alleine kaum wieder den Weg aus dem Fjord hinaus finden wird.
Es folgt ein Küstenabschnitt mit flachen, langweiligen Sand-/Kiesstränden auf die ich nicht näher eingehen will. Dazu zähle ich zum Beispiel Pachena, Agios Konstantinos und Mytakas. Lediglich die traditionellen Bootshäuser in Agios Konstantinos sind einen Abstecher wert. Wie gesagt, es gibt wirklich schöne Strände in Milos und daher wird man eben auch anspruchsvoll.
Einer der unangefochtenen Höhepunkte in der Palette der milischen Strände ist zweifellos Sarakiniko. Der Vulkanismus hat hier eine einzigartige Landschaft geformt, die ihres Gleichen sucht. Aus weißem Bimsstein wurden im Laufe der Zeit bizarre Strukturen herausgewaschen, harmonisch runde Formen, die unwirklich wie eine Mondlandschaft erscheinen. Das Areal ist durchzogen von tiefen Einschnitten und weitläufig genug, daß man aus mancher Perspektive nichts anderes sieht, als die einen umschließenden blendend weißen Felswände, die sich vor dem Blau des Himmels abheben. Das wirkt ausgesprochen beeindruckend und erklärt auch, warum Sarakiniko eines der beliebtesten Fotomotive von Milos ist. In den weißen Fels eingebettet liegt ein winziger Sandstrand, der eigentlich nur das harmonische Gesamtbild stört. Notwendig ist er keinesfalls, denn der abgewaschene, poröse Bimsstein ist erstaunlich glatt, so dass man sich problemlos mit einem Handtuch darauflegen kann. Sarakiniko verfügt über keine Einrichtung, die Infrastruktur beschränkt sich auf eine breite asphaltierte Zufahrt und einem ausreichend großen Parkplatz, mit welchem dem Besucheransturm im Hochsommer Rechnung getragen wird. Bleibt zu hoffen, daß Sarakiniko seinen Besuchern so erhalten bleibt, denn das Land beiderseits der Zufahrtsstraße steht zum Verkauf und eine Hotelanlage würde dem Gesamtbild mit Sicherheit großen Schaden zufügen.
Etwas weiter westlich von Sarakiniko liegt Mandrakia. Hier muss man klar unterscheiden zwischen dem Strand an sich und dem Drumherum. Der Strand ist schnell beschrieben: klein und dreckig. Das Drumherum hingegen ist sehenswert. Mandrakia ist eine kleine, aber recht lebendige Fischersiedlung mit einer Kirche, der Ouzerie "Medousa" und einer Menge traditioneller Bootshäuser. Nicht zuletzt der gute Ruf der Ouzerie sorgt dafür, daß Mandrakia von Touristen und Inselbewohnern gleichermaßen gerne aufgesucht wird. Die Siedlung ist von Pera Triovasalos schnell zu erreichen und die Tatsache, dass die kleine Serpentinenstraße ziemlich schmal und ziemlich steil ist, fällt einem eigentlich auch nur auf, wenn man sich gerade nachts auf dem Rückweg von der Ouzerie befindet.
Die nächste Bucht in westlicher Richtung ist Firopotamos. Man startet ebenfalls in Pera Triovasalos, nur ist die Straße hier sauber geteert und unverhältnismäßig breit. Zusätzlich führt noch eine Querstraße von Plakes hinab. Für Firopotamos gilt ähnliches wie für Mandrakia; der Strand verdient keine weitere Beachtung, die Bucht als Ganzes jedoch ist sehenswert. Tief eingeschnitten liegt sie zwischen steilen Felshängen und wirkt mit dem flachen, kristallklaren Wasser wie eine tropische Lagune - wenn man mal von den fehlenden Palmen absieht. Das jedenfalls war mein erster Eindruck, an den ich mich noch sehr gut erinnern kann. Folgt man nämlich kurz vor Firopotamos einem Fußweg durch ein kleines Seitental, so offenbart sich einem ein beeindruckender Blick auf die Bucht. Es scheint, als sei sie völlig unberührt, denn Strand, Straße und die wenigen Häuser bleiben aus diesem Blickwinkel verborgen. Nun, ganz so ist es natürlich nicht, denn auch Firopotamos wurde bereits von der Zivilisation heimgesucht, aber es bleibt dennoch ein stiller Ort mit ein paar Häusern und einer hübschen Kirche, den man in jedem Fall besuchen sollte.
Der letzte nennenswerte Strand, den ich noch der Nordküste zuordne, ist Plathiena. Von Plakes erstreckt sich ein grünes Tal mit Olivenbäumen hinab zum Meer und endet im Strand von Plathiena. Der Weg beginnt als holpriger Feldweg und wird, warum auch immer, kurz nach der Kirche der Panagia Lamari zu einer überdimensional breiten Asphaltstraße. Am Strand dominiert neben Kies eine Menge abgestorbener Wasserpflanzen, wodurch die Badequalität etwas in Mitleidenschaft gezogen wird. Absoluter Pluspunkt ist dagegen die Tatsache, dass man vom Strand aus dem Sonnenuntergang in Richtung Antimilos zuschauen kann, während dabei das gesamte Tal in ein wohlig warmes Licht getaucht wird.
|