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Glücklicherweise hält sich die Besiedlung in Milos stark in Grenzen. Es gibt nur wenige Orte, bei denen es sich genaugenommen um kleine Dörfer handelt, und diese beschränken sich zudem weitgehend auf den östlichen Teil der Insel. Den Westteil hingegen kann man getrost als nahezu unbewohnt bezeichnen, denn hier finden sich lediglich kleine Siedlungen und demzufolge auch eine sehr rudimentäre Infrastruktur. Insgesamt sind rund 5000 Einwohner auf der Insel gemeldet, die Zahl derer, die dort dauerhaft leben, ist aber wohl niedriger.
Adamas ist zweifelsohne das Zentrum des touristischen Lebens in Milos. Das klingt jedoch schlimmer, als es ist, denn Adamas ist mit seinen etwa 800 Einwohnern nicht mehr als ein kleines Örtchen, das lediglich überproportional viele Unterkünfte, Tavernen, Cafes und Souvenirläden aufweist. Im Hochsommer ist es zwangsläufig ziemlich überfüllt, aber ansonsten immer noch sehr beschaulich. Solange sich der Einfluss des Tourismus darauf beschränkt, dass hier die Gastronomie bereits um 19 Uhr warmes Abendessen bereithält, während anderswo noch die Stühle auf den Tischen stehen, ist die Situation sicher noch erträglich. Allerdings gibt es auch Anzeichen zunehmender Kommerzialisierung, die dem Ort mit Sicherheit nicht zum Vorteil gereichen.
Der gravierendste Eingriff in der jüngsten Vergangenheit war zweifellos der Bau der neuen Hafenanlage, die 2000 fertiggestellt wurde. Bis dahin hatte sich der Hafen von Adamas noch jenen Charme bewahren können, der den ursprünglichen Reiz der kleinen griechischen Hafenorte ausmacht, die noch nicht vom Massentourismus entstellt worden sind. Man saß vor den Tavernen direkt am Wasser und während man am Wein oder am Mokka nippte, plätscherte direkt unter einem das Meer gegen die alte steinerne Hafenmauer. Natürlich war es ziemlich eng und irgendwo musste sich auch noch der Verkehr zum Fähranleger hindurchschlängeln, aber genau dieses improvisierte Durcheinander, in dem trotz allem nie Hektik aufkam, war doch sehr liebenswert. Mittlerweile wurde üppig Platz geschaffen, indem man ein monströses Betongebilde ins Meer gebaut hat, eine sehr künstlich wirkende Uferpromenade mit reichlich Parkplätzen, Bootsliegeplätzen und - das scheint das wichtigste zu sein - genügend Freiraum vor den Tavernen. Ganz gleich mit wem man spricht, jeder äußert sein Missfallen und trauert dem alten Hafen nach. Es bleibt also zu vermuten, dass die wenigen, die von dem neu geschaffenen Platz profitieren, genügend Einfluss hatten, um ein solches Projekt umsetzen zu lassen.
Nördlich von Adamas, auf einer Art Hochplateau, liegen die Orte Triovasalos, Pera Triovasalos, Plakes, Plaka und Tripiti. Der Einfachheit halber bezeichne ich sie zusammenfassend als die Bergdörfer, nicht zuletzt deshalb, weil sie auch räumlich eine Einheit bilden. Der Übergang von einem Ort zum anderen ist nicht immer klar erkennbar und wenn man eine Landkarte hinzuzieht oder sich gar an den Straßenschildern orientieren will, wird die Verwirrung eher noch größer. Tripiti und Plaka heben sich durch ihre exponierte Lage von den anderen Orten ab, denn sie drängen sich quasi an der westlichen Abbruchkante des Hochplateaus und thronen somit über der Einfahrt in die Bucht von Milos. Hier bietet sich an vielen Stellen ein beeindruckendes Panorama und insbesondere die Sonnenuntergänge schaffen eine einzigartige Postkartenkulisse, wenn das Meer zwischen Fourkovouni, Kap Vani und Antimilos im Abendrot glitzert und alles andere zur dunklen Silhouette verschwimmt. Es ist kein Zufall, daß sich ausgerechnet in Tripiti bereits vor 20 oder 30 Jahren eine Menge Ausländer für kleines Geld eingekauft haben und nun Besitzer mittlerweile sehr wertiger Wohnhäuser sind.
Die Bergdörfer mit insgesamt rund 3500 Einwohnern sind das eigentliche Herz von Milos. Hier findet man Behörden und Schulen, Fachgeschäfte jeder Art, das Krankenhaus und eine Menge erfreulich ursprünglicher Tavernen und Kaffeehäuser, die vorzugsweise von Ortsansässigen besucht werden. Lediglich Plaka ist aufgrund seiner typischen Kykladenarchitektur und der besonderen Lage unterhalb des Kastrohügels auch verstärkt auf touristische Gäste eingerichtet und trägt dieser Tatsache mit einer Vielzahl von Souvenir- und Schmuckläden, Restaurants und modernen Cafes Rechnung.
Von Tripiti gelangt man hinab nach Klima, einer kleinen Siedlung, die bekannt für ihre typischen Fischerhäuser ist. Diese stehen direkt am Wasser und bestehen ebenerdig aus einer Bootsgarage während sich darüber ein Wohnraum befindet. Klima liegt eigentlich direkt in der Einfahrt in den Ormos Milou, die Bucht von Milos. Linkerhand liegt die schützend umschlossene Bucht während es rechterhand hinaus aufs offene Meer geht. Ich habe die Atmosphäre in Klima immer als ein wenig aufregend empfunden. Man spürt förmlich die Nähe zum Wasser und wenn einem der stramme Wind vom offenen Meer ins Gesicht bläst, wird klar, dass diese Siedlung eine Art Außenposten ist. Gleichsam so, als habe sie sich ein Stück aus dem Schutz der Bucht hinausgewagt, eben bis hierhin, aber nicht weiter.
Ganz im Osten von Milos, an der Meerenge zur Nachbarinsel Kimolos, liegt Pollonia. Der alte Ortskern ist ein verschlafenes Fischerdörfchen wie aus dem Bilderbuch, insbesondere die kleine "Hafenpromenade" mit ihren wenigen Tavernen wirkt wie aus vergangener Zeit. Der Ortsteil Pelekouda hingegen besteht aus zahlreichen Neubauten, vor allem kleinen Pensionen, die sich aber in die dörfliche Idylle hervorragend einfügen. Wem es in Adamas zu laut und lebhaft ist, der findet hier in Pollonia mit Sicherheit eine hervorragende Alternative für einen ruhigen, beschaulichen Aufenthalt. Es ist ziemlich gewagt, sich auf die Busverbindungen zu verlassen, und so empfiehlt sich in jedem Fall ein Leihwagen, wenn man in Pollonia wohnt. Dafür hat man durch die Abgeschiedenheit aber auch wirklich seine Ruhe, die allenfalls mal durch einen Hahnenschrei oder das Tuckern eines Bootsdiesels unterbrochen wird. Hinzu kommt, dass der Nordwind Pollonia stets mit angenehm frischer Meeresluft versorgt, was man besonders nachts zu schätzen lernt. Zwischen Pollonia und dem Hafen Psathi in Kimolos besteht eine regelmäßige Bootsverbindung, so dass die Möglichkeit zu einem Tagesausflug auf die Nachbarinsel besteht.
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