Urlaub mit Kindern
Dieser Abschnitt richtet sich an alle Griechenlandfreunde mit kleinen Kindern, die nach einer familiengerechten Form des Urlaubs suchen. Wir haben unsere Kinder, Jahrgang 1999 und 2001, von Anfang an mit nach Griechenland genommen. Und die Vielzahl der Kommentare hierzu, die zwischen Verwunderung und Entsetzen schwankten, haben mich damals motiviert, an dieser Stelle meine Meinung publik zu machen. Mittlerweile sind die Kinder schon größer und die Aufregung hat sich gelegt. Ich will aber nach wie vor all denen Mut machen, die noch vor der Entscheidung stehen, ob Griechenland denn das richtige Urlaubsziel sei und ob denn die Abgeschiedenheit auf den Inseln nicht vielleicht plötzlich zum Problem wird, wenn man seine kleinen Kinder dabei hat. Wir haben bis heute ausschließlich positive Erfahrungen gemacht und sind davon überzeugt, dass mit ein wenig mehr Vorbereitung auch ein Urlaub auf einer der vielen kleinen griechischen Inseln völlig problemlos sein kann.
Den Urlaub mit seinen Kindern zu verbringen, ist eine zweifellos schöne Angelegenheit, denn niemals sonst hat man derart viel Zeit und ist so entspannt wie im Urlaub. Was hilft es dann, wenn man sich durch seine Kinder genötigt fühlt, auf liebgewonnene Urlaubsgewohnheiten verzichten zu müssen? Wenn man früher zu zweit noch viel erlebt hat, ist es doch eher ernüchternd, sich plötzlich in einem Familienhotel im Schwarzwald wiederzufinden, wo man eigentlich noch nie hinwollte. Oder man bleibt gleich ganz daheim, wofür man seinen Kindern sicher auch nicht gerade dankbar sein wird.
Griechenland bietet natürlich eine Vielfalt verschiedenster Urlaubsziele. Die touristisch voll erschlossenen Gebiete, die in kürzester Zeit per Direktflug erreicht werden können und alle Annehmlichkeiten der Zivilisation bereithalten, haben uns zum einen noch nie interessiert und müssen zum anderen auch gar nicht hier angesprochen werden. Sich dort zurechtzufinden, ist nicht anspruchsvoller als zu Hause auch. Mir geht es vielmehr um das ursprüngliche Griechenland, die kleinen, ruhigeren Inseln, wo man eben nicht den gewohnten Komfort vorfindet und sich auch nicht darauf verlassen kann, dass alles so funktioniert, wie es sich zunächst den Anschein gibt.
Die Anreise ist die erste Hürde, vor der mancher schon zurückschreckt. Man muß zwangsläufig eine Kombination aus ein oder zwei Flügen und eventuell einer Fährpassage auf sich nehmen, um ans Ziel zu gelangen. Einfacher wird es kaum gehen - und den Begriff "Auto" möchte ich in diesem Zusammenhang erst gar nicht erwähnen. Jedenfalls kann ich mir eine mehrtägige Anreise mit Kleinkindern im Auto beim besten Willen nicht vorstellen. Die Aufgabe besteht also im wesentlichen darin, für Inlandsflüge und Fährpassagen rechtzeitig Alternativen herauszufinden, auf die man im Bedarfsfall umsteigen kann. Wenn die Pläne von Fliegern und Fähren vom strammen Meltemi oder den streikbewussten Griechen außer Kraft gesetzt werden, ist es hilfreich, nicht den Kopf zu verlieren. Manchmal bringt es einen auch schon weiter, einen Zettel mit Adressen und Telefonnummern von Unterkünften an den kritischen Umsteigepunkten bei sich zu tragen. Das beruhigt ungemein.
Dann ist da die Sache mit dem Handgepäck. Der alleinreisende Erwachsene kann sich durchaus auf Brieftasche und Zahnbürste beschränken und wenn sich ein Zwischenstop schier unendlich lange hinzieht, findet man immer irgendwo ein Sandwich und eine Dose Mythos. Das Kleinkind an sich ist etwas anspruchsvoller und so gehört zu einer verant- wortungsbewußten Reiseplanung auch das gründliche Vorbereiten des Handgepäcks. Nichts was unverzichtbar ist, gehört in die Koffer, denn die sind manchmal erschreckend lange alleine unterwegs... Und man sollte sich auf keinen Fall darauf verlassen, unterwegs mit Sicherheit die den Kindern so vertraute Nachmittagsbanane oder eine Notfallwindel irgendwo kaufen zu können. Das geht in jedem Fall schief. Ganz wichtig ist natürlich auch ein Getränk für Start und Landung, das den Kindern den Druckausgleich erleichtert. Und wenn das dann auch noch eine lecker zuckerige Limo ist, gibt es keinerlei Probleme.
Womit wir beim Thema Ernährung angekommen sind. Entgegen einer weitverbreiteten Meinung ist Griechenland mit Sicherheit kein Land, in dem man permanent Gefahr läuft, sich den Magen zu verderben. Diese Schreckensgeschichten bleiben lieber exotischen Gefilden vorbehalten. Es gibt genügend Gebiete, in denen man in den örtlichen Wassernetzen tadelloses Quellwasser vorfindet, das zudem äußerst schmackhaft ist. Je kleiner die Kinder sind, desto wichtiger ist es, ihnen die gewohnte Ernährung zu bieten. Ist man also auf Milchpulver, Gläschen und ähnliches angewiesen, sollte man vor dem Urlaub in Erfahrung bringen, was vor Ort angeboten wird. Das kann von Zeit zu Zeit stark variieren und ist vor allem auch saisonabhängig. Manches gibt es nur über die Apotheke und muss bestellt werden. Das ist kein Problem, aber man muss eben wissen, wie man drankommt.
Einer der wesentliche Gründe, in Griechenland Urlaub zu machen, ist für den ewig über das Wetter lamentierenden Deutschen sicherlich die Sonne. Diese schadet auch Kindern nicht, vorausgesetzt, man geht vernünftig damit um. Wer selbst nicht den ganzen Tag in der Sonne brät, kommt bestimmt auch nicht auf die Idee, ein blasses Kleinkind mittags am Strand spielen zu lassen. Unsere Kinder befinden sich immer unter einer Schicht Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 30 und auf diese Weise nehmen sie keinerlei Schaden. Außerdem gibt es Sonnenmützen für Kinder, die vorne und hinten ein Sonnenschild haben. Die sind perfekt, damit die Kleinen nicht heißlaufen.
Mir scheint, das eigentliche Problem - wenn es denn überhaupt eines gibt - liegt eher im Kopf der Eltern. Vorsicht wird schnell zur Phobie, Verantwortungsbewusstsein wird zur Selbstaufopferung. Das muss wirklich nicht sein. Jeder muss für sich selbst entscheiden, zu wieviel mehr Planung und Vorbereitung er bereit ist, um seinen Urlaub mit der ganzen Familie zu verwirklichen. Aber wenn man die Sache wohlüberlegt angeht, ist alles plötzlich einfacher, als man zunächst geglaubt hatte.
Unsere Kinder genießen jedenfalls den Urlaub inmitten der Natur, mögen den Strand und das Meer und die vielen Tiere, die überall anzutreffen sind und sich dankbar füttern lassen. Das ist eine sehr zwanglose Form des Urlaubs, die zur Entspannung aller Beteiligten beiträgt. Hinzu kommt die ausgeprägte Toleranz gegenüber Kindern, die eigentlich alle Griechen auszeichnet. Unabhängig von Alter und Geschlecht stürzt man sich regelmäßig auf die Kleinen, um sie überschwenglich zu herzen und abzuküssen. Dem spröden Mitteleuropäer erscheint diese extrovertierte Art der Zuneigung zunächst ungewohnt, aber wenn man erst einmal begriffen hat, dass sich hier wirklich niemand - also wirklich NIEMAND - an einer ganz normalen Familie mit ganz normalen herumtobenden Kindern stört, fühlt man sich richtig wohl. Die ohnehin sehr ausgeprägte traditionelle Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft der Griechen findet nur noch eine Steigerung, wenn Kinder mit im Spiel sind. Ob beim Essengehen, beim Einkaufen oder anderswo, Kinder sind überall gerne gesehen, sie dürfen fast alles und jeder schenkt ihnen seine ungeteilte Aufmerksamkeit. Das ist eine Erfahrung, die man aus Deutschland leider nicht so sehr kennt.
[Fotos vom Mai 2002]
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