Auf Korfu landen schon die ersten Flieger, nun folgen weitere Inseln
Viele Griechenland-Urlauber kennen sie, die "Flying Dolphins", die von Piräus zu kleineren Inseln im Saronischen Golf wie Hydra, Ägina und Poros starten: betagte Tragflügelboote russischer Bauart. Sie verkürzen zwar die Fahrzeiten, aber besonders bei unruhiger See kann die Fahrt in den engen Booten zu einem ziemlich ungemütlichen Ritt über die Wellen werden. Demnächst wird man wirklich fliegen, und zwar auch zu Inseln, die keinen Flugplatz haben. Die Gesellschaft Pegasus Aviation will im kommenden Sommer mit einer Flotte von Wasserflugzeugen Verbindungen zwischen Athen und mehreren Ägäis-Inseln anbieten. Ausgangspunkt für die Flüge soll der Yachthafen von Flisvos an der Küste des Saronischen Golfs sein, per Auto oder Straßenbahn keine 20 Minuten vom Athener Stadtzentrum entfernt.
Zum Einsatz kommen Wasserflugzeuge des Typs DHC-6 Twin Otter. Die seit vielen Jahren vor allem in Nordamerika bewährten Maschinen haben Platz für 19 Passagiere und erreichen eine Reisegeschwindigkeit von 225 km/h. Geräumig sind die Kabinen der Wasserflugzeuge mit ihren schmalen Sitzen zwar nicht, aber schließlich dauert der Flug nicht lange: In 15 oder 20 Minuten ist man am Ziel. Gute Erfahrungen mit dem neuen Verkehrsmittel haben bereits die Einwohner der ionischen Inseln Korfu und Paxi gemacht, wo seit dem vorigen Herbst zwei Twin Otter Maschinen stationiert sind. Per Boot dauert die Fahrt vom kleinen Paxi nach Korfu mehrere Stunden, im Winter fallen viele Verbindungen wegen stürmischen Wetters aus. Mit dem Wasserflugzeug dauert die Reise nur noch zehn Minuten. Das ist vielen Insulanern den Flugpreis von 60 Euro wert.
In den nächsten Wochen sollen mit weiteren Maschinen die Inseln Kefalonia, Ithaka und Zakynthos mit der Hafenstadt Patras verbunden werden. Sogar die nordgriechische Stadt loannina wollen die Piloten der Wasserflugzeuge ansteuern: Dort gibt es einen See, auf dem sie landen können. Für den Sommer ist eine weitere Ausdehnung des Liniennetzes geplant. Von Athen, Thessaloniki, Kreta und Syros sollen die Wasserflugzeuge kleinere Nachbarinseln ansteuern, die bisher nur sporadisch von Fährschiffen angefahren werden. Mit den neuen Verbindungen wird nicht zuletzt die Versorgung von Notfällen verbessert: Weil es auf den meisten kleineren Inseln keine Krankenhäuser gibt, müssen die Patienten bisher bei schwereren Erkrankungen strapaziöse und zeitraubende Schiffsfahrten absolvieren.
Dass sich die Griechen erst jetzt auf das Wasserflugzeug besinnen, ist eigentlich erstaunlich. Denn dieses Verkehrsmittel hat hier eine lange Tradition. 1941 richtete die Gesellschaft Ala Littoria regelmäßige Passagier-Verbindungen mit Wasserflugzeugen von Korfu, Kefalonia und Zakynthos zum italienischen Brindisi ein. Wegen des Zweiten Weltkrieges wurden die Flüge aber schon bald wieder eingestellt.
[Nachzulesen in der Frankfurter Rundschau vom 02.04.05]
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